Friede, Freude, Eierkuchen

Friede, Freude, Eierkuchen,
ein glückliches Leben im Einfamilienhaus
so wurd’s dir beigebracht, doch vergiss es, Mann!
Es gibt keinen Osterhasen und auch keinen Nikolaus.
Das Leben ist hart, du musst was unternehmen
wach auf, wenn du’s nicht tust, wirst du untergehen.
Du musst dich in der Welt beweisen,
du musst kämpfen für deine Nahrung
glaub mir mein Freund, obwohl es hart ist
ich sprech’ hier aus Erfahrung.

Glaubst du’s nicht? Dann geh auf die Straße und guck’s dir an
das ist der Wedding
in dem keiner ohne den anderen überleben kann.
Zwischen Dönerbuden und Falafelstand
mit Graffiti besprühten Wänden und Arbeitsamt.
Hier, wo jeder denkt aus denen kann nichts werden
Wedding, ein Bezirk aus lauter Anzeigen und Beschwerden
Mädchen, die erst 2 t beschminkt rausgehen,
um mit Freunden rumzuhängen,
die sich mit Piercings beschmücken und sich
in 15 cm Absätze reinzwängen
Mädchen, die sich kleiden wie ‘ne Gruselversion von Mickey Mouse
Mädchen, die sich die Haare toupieren wie Amy Winehouse.

So sieht der Wedding für die meisten aus
aus den gesammelten Vorurteilen aufgebaut
Wedding, wo meistens Türken, Araber und Russen wohnen
ein falsches Wort – und eröffnet ist die Kämpferzone
und jeder bezeichnet sich hier als Autorität,
denn Respekt hat hier oberste Priorität.
Hier gibt es Unterschiede, und zwar große
manche saufen sich ins Koma, zerstören sich die Nieren
andere arbeiten bis der Arzt kommt – und was bekommen sie?
‘n paar Scheinchen von Hartz IV.

Die Leute suchen Unterstützung
die Leute suchen etwas Geld
sie suchen jemanden, der ihnen Halt gibt
jemanden, der für sie da ist, der zu ihnen hält.
Ich verschaff jetzt etwas Klarheit:
jeder vierte lebt hier ohne Arbeit,
jeder fünfte kann nur von Sozialhilfe leben.
Man muss wirklich kein Mathegenie sein, um das zu versteh’n.
Hier – wird keiner dafür verurteilt und ausgegrenzt,
denn das ist so Standard im Wedding.
Hier liegt der Ausländeranteil bei 75 %.

Um Wedding macht man meistens einen großen Bogen
Wedding, ein Synonym für Verbrechen, Gewalt und Drogen.
Die Regierung predigt Toleranz hier, Akzeptanz da,
mehr Integration et cetera und schließt die Gewalt aus,
doch ihr verehrten Herrn Politiker, sag ich euch
wie man sieht sieht’s hier auf der Straße ganz anders aus
Ausländer – manch einer verbindet damit den 11. September
doch ob man sich nun an die Regeln hält oder nicht ist scheißegal,
denn immer wieder hört man: „Scheiß Ausländer!“
Doch jetzt im Ernst man will sie fortschicken
doch wo soll’n sie hin
wenn Wedding ihre Heimat ist und sie Deutsche sind?

Doch trotzdessen leb ich gern hier im Wedding,
weil ich hier zu Hause bin
Wedding ist vielfältig, verrückt und unterschiedlich
und das hat auch seinen Sinn.
Also seht’s nicht zu negativ,
macht die Sache nicht zu groß,
ohne die Leute hier im Wedding wär das Jobcenter leer
und die Polizei bald arbeitslos.
Wedding, wo jeder mit etwas zu kämpfen hat.
Wedding, das Ghetto der Hauptstadt.

Ihr seht man muss den Bezirk akzeptieren so wie er ist,
ob man nun will oder nicht,
denn das ist die Welt in der ich lebe,
das ist der Wedding, das bin ich!

Janine Breim

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