Eine gelungene Geschichte

Viele Menschen sehen mich als eine lebensfrohe, vorlaute, offene,
ununterbrochen redenede 15-jährige Person, die sich durchs
Leben lacht.
Doch ich sag euch, dass ich das alles nicht bin.
Um nicht verletzt zu werden, habe ich nämlich mein Herz in eine
Höhle verbannt.
Trotzdem fällt es mir manchmal schwer meine wahren Gefühle zu
verbergen.

Ich bin nicht glücklich, wenn ich lache.
Ich lache nur, damit die Menschen die mich mögen kein Mitleid
mit mir haben.
Ich bin nicht sorglos, wenn ich anderen bei ihren Problemen
helfe, ich verdränge bloß meine.
Ich bin nicht eingebildet, wenn ich jemanden „komisch“ angucke,
ich gucke dann zum Beispiel nur, weil ich die Person bewundere.

Nun möchte ich euch mein wahres Ich zeigen.
Kommt mit mir auf eine Reise der Gefühle.

Mein Name ist Sara El-Fares, ich bin am 14.09.1990 im Libanon geboren.
Meine Mutter zog meine drei Brüder und mich in einer kleinen
Ein – Zimmer – Wohnung groß.
Mein Vater reiste oft umher, um hier und da zu arbeiten, damit eruns mit dem verdienten Geld am Leben halten konnte.

Früh musste ich erfahren, wie es ist, wenn der Vater Jahre lang
weg ist.
Voller Hoffnung sehnte ich mich danach ihn fest in die Arme zu
nehmen und ihn nicht mehr gehen zu lassen.
Als mein Vater eines Tages entschied, dass wir zu ihm nach
Deutschland kommen sollten, weil er da Arbeit gefunden hatte,
spürte ich zum ersten Mal in meinen jungen Jahren Glück.

Auf unserer illegalen Reise nach Deutschland wurden wir sehr
oft verhaftet. Tagelang hielten sie uns im Gefängnis fest. Die
Verzweiflung und die Angst konnte man deutlich in unseren
Gesichtern sehen.
Nachdem wir immer wieder verhaftet und zurückgeschickt
wurden, kamen mir Zweifel, ob ich meinen Vater jemals wieder
sehen würde.
Mannn!!! Was musste ich mit meinen 7 Jahren alles aushalten.
Wir gaben dennoch nicht auf und schafften es schließlich mit
einer Gruppe von Männern nach Deutschland.
Hier angekommen, schloss ich meinen Vater, mit Tränen in den
Augen, ganz doll in die Arme.

Viele mögen den Wedding als dreckig und unmöglich sehen, doch
ich sehe in ihm etwas anderes. Es ist jetzt mein zu Hause.
Der Wedding gab mir meinen Vater zurück, er gab mir eine viel
größere Wohnung, er ermöglichte mir Bildung. Hier habe ich
Freunde fürs Leben gefunden.
Dadurch dass mein Vater arbeitet, bekommen wir mehr Geld und
müssen nicht mehr schauen, dass wir über die Runden kommen.
Ich sehe hier zuversichtlich in die Zukunft.

Klar gibt es hier und da mal Streit in der Familie, mit den
Freunden und in der Schule, doch was wäre das Leben ohne
Höhen und Tiefen? Würden wir dann noch Freude und Glück als
etwas Besonderes sehen, wenn wir es nie vermissen würden?
Wonach würden wir dann streben, wenn wir ohne zu arbeiten
alles unverdient bekämen? Wo wäre das Gefühl von
Gemeinschaft, wenn jeder nur etwas mit seinen Landsleuten zu
tun haben möchte? „Wo?“, frage ich euch?!
Ich bin heute 19 Jahre alt und frage mich jetzt, ob aus mir eine
andere Persönlichkeit geworden wäre, wenn ich von Anfang an
ein „perfektes“ Leben geführt hätte.

Sara El-Fares


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